Wie Gott in Delft

Delft und Den Haag. Eigentlich wollten Jason und ich ja nur eine Stadt besuchen, zwei an einem Tag scheint ja doch etwas ueberambitioniert. Die Bahn hat hier im November ein Spezialangebot springen lassen, wie gemacht fuer Touris. Einen Tag, ganz Holland, erster Klasse, 17 Euro. Also sind wir los, am Samstag vor einer Woche, ziemlich frueh am Morgen. Ich hatte meinen Rucksack dabei, voll mit Proviant fuer einen langen Tag in einem essentechnisch minderbemittelten gleichzeitig ueberteuerten Land. Jason hatte im Gegensatz dazu ein Minitaeschchen. Also los. Erstmal den Frost vom Fahrradsattel abkratzen und dann zum Bahnhof. Zum Glueck konnten wir hier in Haren in den Zug einsteigen. Gleich mit dem ersten Schaffner hatten wir Aerger. Vergessen, die Karte abzustempeln! Aber wir sind beide gut darin, die bloeden ahnungslosen Touris zu spielen und wurden begnadigt. Am naechsten Halt sprang ich raus und lief zur Stempelmaschine. Und der Kaffeemann? Hatte keinen Kaffee mehr, als er an unserem erste Klasse (!) Abteil vorbei kam. Toll wie man hier als Luxus-Reisender behandelt wird.
Delft war, kurz gesagt, toll. Eine richtig suesse, kleine, alte, charmante, mit rustikalen Haeusern, Grachten und kleinen Bruecken gepflasterte Stadt. Nicht zum Wohnen, da zu klein. Aber was fuer Maler. Johannes Vermeer lebte und starb hier. Aber irgendwie haben sie es in dieser uralten Stadt nicht geschafft, gerade seine Haeuser stehen zu lassen. Nicht einmal bei seinem Grab ist man sicher, ob der Stein am richtigen Ort sitzt. Viele beruehmte Delfter sind mitten in der Oude oder Nieuwe Kerk begraben. In der letzteren sogar die gesamte Koenigsfamilie. Leider durften wir nicht direkt zu den Leichen. Immerhin verwesen da gerade ex-Koenigin Juliana und Beatrixens Mann Claus. Also haben wir uns auf eine Bank gesetzt und Heiratsplaene geschmiedet. Als Notloesung, falls wir mit Vierzig noch alleine sind. Der Plan: Ich verdiene das Geld und er ueberlegt den ganzen Tag, was er am Abend kocht. Jason ist (als Amerikaner muss man ja sagen) ein toller Koch. Hat kuerzlich japanische Tempura selbstgemacht und kauft sich immer frischen Fisch auf dem Markt. Eigentlich esse ich ja keine Muscheln, aber Jason hat mich gezwungen zu probieren. Und meine liebe Mama hat mir beigebracht, immer erst einmal zu probieren und erst dann zu beschliessen, etwas nicht zu moegen. Jedenfalls gehoere ich jetzt offiziell zu den Muschelessern. Aber nur die Toten! Lebende Austern - baeh! Soviel dazu.
Weitere Highlights aus Delft: Poffertjes essen (Minipfannkuchen mit Puderzucker). In Touri-Laeden rumstehen und warten, bis Jason Delfter Blau (Porzellan mit schrecklich kitschigen blauen Motiven) gefunden hat, als Souvenir fuer eine Freundin. Ich habe als einziges Souvenir eine Karte fuer Svenja gekauft.
Gegen vier Uhr Nachmittags war der Himmel noch blau und die Laune noch wunderbar, also sind wir Richtung Den Haag aufgebrochen. Nicht ohne unterwegs zum Delfter Bahnhof noch eine frischgebackene Stroopwaffel abzugreifen.
Am Bahnhof, waehrend wir warteten, stand in der Naehe ein Mann mit einem Block, starrte uns an und schrieb oder malte etwas in seinen Block. Komisch. Die Delfter sind wohl alle bekloppt, dachten wir, in Den Haag sei bestimmt alles besser! Den Haag ist sehr anders als Delft und auch als Groningen. Die Haeuser sind sehr modern. Kommt man am Bahnhof an, steht man unmittelbar im Regierungsviertel, direkt neben glaesernen Ministerums-Ungetuemen. Und Jason und ich wurden wieder einmal Zeuge der hollaendischen Modernitaet: Alle Laeden sind um 16 Uhr, unter der Woche um 18 Uhr zu. Und die Staedte tot. Vielleicht nicht Amsterdam. aber wir waren doch hier immerhin in Den Haag! Wir schlenderten durch das Asien-Viertel, auf der Suche nach etwas Kompatiblen fuer den studentischen Geldbeutel. Aber selbst die guenstigen Chinesen (mit der billigen Einrichtung und Mitnehm-Service) bieten hier gebratene Nudeln und Reis, eigentlich ja ein echtes Billigessen, fuer sieben bis zehn Euro an. Jason hat sich einen Leuchte-Bilderrahmen mit Papstmotiv gekauft und wir haben uns in den wohl einzigen Sushi-Laden des Landes gesetzt. Ja, ihr Lieben, hier ist die Sushi-Wueste! Der dicke niederlaendische Chef war sehr unfreundlich, sehr unbemueht und ziemlich genervt. Wie konnten wir uns auch erdreisten zu glauben, als Kunde sei man Koenig! Demuetig haben wir dann auch die sehr teuren, sehr wenigen Sushi gegessen, die uns genehmigt wurden. Im einzigen noch offenen Supermarkt haben wir uns dann etwas zum Trinken fuer den Rueckweg gekauft, Blumenliebhaberin Beeke musste sich noch eine Hyazinthe fuer ihr Zimmer mitnehmen. Die Rueckfahrt war, gelinde gesagt, sehr sehr interessant! Erst die Diskussion ueber die sieben Suenden und die sieben Tugenden (ja, die gibt es!) und dann vier betrunkene Halbstarke, die sich uneingeladen in unser bis auf uns Beide freies erste Klasse Abteil setzten. Zu unserem Leidwesen. Um nicht noch mehr zu schreiben, verweise ich auf die Seite von Jason, mit einer genauen Beschreibun der Rueckfahrt, des ganzen Tages und vielen Fotos von uns und den beiden Staedten. Ich sage nur soviel: Nach einer wohl zwischen Deutschen und Hollaendern unvermeidlichen Fussball-Diskussion, stellten wir fest, dass unsere Abteils-Genossen Rassisten sind. Wer mehr wissen will, hier der Link: jeverettr.blogspot.com
Ich weiss nur Eines: Ein Glueck fuer die Niederlande, dass Pim Fortuyn von einem Niederlaender umgebracht wurde und nicht von einem Auslaender.
Der Tag war also supergut! Leider hat Jason mich an diesem Wochenende Richtung Amsterdam verlassen, aber ab Montag kann ich ihn wieder nerven. Am Sonntag vor einer Woche war ich ausserdem bei einer langweiligen Partie des Groningnse FC gegen die zweitplatzierten aus Alkmaar. Fotos folgen. Bis bald!!!
Delft war, kurz gesagt, toll. Eine richtig suesse, kleine, alte, charmante, mit rustikalen Haeusern, Grachten und kleinen Bruecken gepflasterte Stadt. Nicht zum Wohnen, da zu klein. Aber was fuer Maler. Johannes Vermeer lebte und starb hier. Aber irgendwie haben sie es in dieser uralten Stadt nicht geschafft, gerade seine Haeuser stehen zu lassen. Nicht einmal bei seinem Grab ist man sicher, ob der Stein am richtigen Ort sitzt. Viele beruehmte Delfter sind mitten in der Oude oder Nieuwe Kerk begraben. In der letzteren sogar die gesamte Koenigsfamilie. Leider durften wir nicht direkt zu den Leichen. Immerhin verwesen da gerade ex-Koenigin Juliana und Beatrixens Mann Claus. Also haben wir uns auf eine Bank gesetzt und Heiratsplaene geschmiedet. Als Notloesung, falls wir mit Vierzig noch alleine sind. Der Plan: Ich verdiene das Geld und er ueberlegt den ganzen Tag, was er am Abend kocht. Jason ist (als Amerikaner muss man ja sagen) ein toller Koch. Hat kuerzlich japanische Tempura selbstgemacht und kauft sich immer frischen Fisch auf dem Markt. Eigentlich esse ich ja keine Muscheln, aber Jason hat mich gezwungen zu probieren. Und meine liebe Mama hat mir beigebracht, immer erst einmal zu probieren und erst dann zu beschliessen, etwas nicht zu moegen. Jedenfalls gehoere ich jetzt offiziell zu den Muschelessern. Aber nur die Toten! Lebende Austern - baeh! Soviel dazu.
Weitere Highlights aus Delft: Poffertjes essen (Minipfannkuchen mit Puderzucker). In Touri-Laeden rumstehen und warten, bis Jason Delfter Blau (Porzellan mit schrecklich kitschigen blauen Motiven) gefunden hat, als Souvenir fuer eine Freundin. Ich habe als einziges Souvenir eine Karte fuer Svenja gekauft.
Gegen vier Uhr Nachmittags war der Himmel noch blau und die Laune noch wunderbar, also sind wir Richtung Den Haag aufgebrochen. Nicht ohne unterwegs zum Delfter Bahnhof noch eine frischgebackene Stroopwaffel abzugreifen.
Am Bahnhof, waehrend wir warteten, stand in der Naehe ein Mann mit einem Block, starrte uns an und schrieb oder malte etwas in seinen Block. Komisch. Die Delfter sind wohl alle bekloppt, dachten wir, in Den Haag sei bestimmt alles besser! Den Haag ist sehr anders als Delft und auch als Groningen. Die Haeuser sind sehr modern. Kommt man am Bahnhof an, steht man unmittelbar im Regierungsviertel, direkt neben glaesernen Ministerums-Ungetuemen. Und Jason und ich wurden wieder einmal Zeuge der hollaendischen Modernitaet: Alle Laeden sind um 16 Uhr, unter der Woche um 18 Uhr zu. Und die Staedte tot. Vielleicht nicht Amsterdam. aber wir waren doch hier immerhin in Den Haag! Wir schlenderten durch das Asien-Viertel, auf der Suche nach etwas Kompatiblen fuer den studentischen Geldbeutel. Aber selbst die guenstigen Chinesen (mit der billigen Einrichtung und Mitnehm-Service) bieten hier gebratene Nudeln und Reis, eigentlich ja ein echtes Billigessen, fuer sieben bis zehn Euro an. Jason hat sich einen Leuchte-Bilderrahmen mit Papstmotiv gekauft und wir haben uns in den wohl einzigen Sushi-Laden des Landes gesetzt. Ja, ihr Lieben, hier ist die Sushi-Wueste! Der dicke niederlaendische Chef war sehr unfreundlich, sehr unbemueht und ziemlich genervt. Wie konnten wir uns auch erdreisten zu glauben, als Kunde sei man Koenig! Demuetig haben wir dann auch die sehr teuren, sehr wenigen Sushi gegessen, die uns genehmigt wurden. Im einzigen noch offenen Supermarkt haben wir uns dann etwas zum Trinken fuer den Rueckweg gekauft, Blumenliebhaberin Beeke musste sich noch eine Hyazinthe fuer ihr Zimmer mitnehmen. Die Rueckfahrt war, gelinde gesagt, sehr sehr interessant! Erst die Diskussion ueber die sieben Suenden und die sieben Tugenden (ja, die gibt es!) und dann vier betrunkene Halbstarke, die sich uneingeladen in unser bis auf uns Beide freies erste Klasse Abteil setzten. Zu unserem Leidwesen. Um nicht noch mehr zu schreiben, verweise ich auf die Seite von Jason, mit einer genauen Beschreibun der Rueckfahrt, des ganzen Tages und vielen Fotos von uns und den beiden Staedten. Ich sage nur soviel: Nach einer wohl zwischen Deutschen und Hollaendern unvermeidlichen Fussball-Diskussion, stellten wir fest, dass unsere Abteils-Genossen Rassisten sind. Wer mehr wissen will, hier der Link: jeverettr.blogspot.com
Ich weiss nur Eines: Ein Glueck fuer die Niederlande, dass Pim Fortuyn von einem Niederlaender umgebracht wurde und nicht von einem Auslaender.
Der Tag war also supergut! Leider hat Jason mich an diesem Wochenende Richtung Amsterdam verlassen, aber ab Montag kann ich ihn wieder nerven. Am Sonntag vor einer Woche war ich ausserdem bei einer langweiligen Partie des Groningnse FC gegen die zweitplatzierten aus Alkmaar. Fotos folgen. Bis bald!!!

1 Comments:
superschöner reisebericht.du schreibst echt toll.jetzt habe ich es mit den kommentaren raus!!
küßchen.
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